"Wii Music" hat mein Gehör verändert
Iwata:
"Wii Music" ist mittlerweile erschienen und bietet natürlich einigen Gesprächsstoff. Wir könnten zum Beispiel über Miyamoto-sans Vermarktungsreise nach Übersee reden. Außerdem habe ich gehört, dass die Marketingleute Videos haben, die belegen, dass man mit dem Schlagzeug-Unterricht in "Wii Music" lernen kann, wie man auf einem echten Schlagzeug spielt. Ich war mir sicher, dass mir viele neue Themen zu Ohren kommen würden, also habe ich alle für eine weitere Gesprächsrunde versammelt. Kondo-san, der Sound Supervisor, war letztes Mal abwesend.
Kondo:
Das stimmt. Ich bin froh, dass es dieses Mal geklappt hat.
Iwata:
Werfen wir als Erstes einen Blick auf die Videos mit dem Schlagzeug-Unterricht.
Schlagzeug-Unterricht 1
Schlagzeug-Unterricht 2
Miyamoto:
Nach knapp über einer Woche Unterricht kann man so gut werden?
Totaka:
Ich habe es wieder bewiesen! (lacht)
Kondo:
Das haben Sie wirklich! (lacht)
Iwata:
Es ist unglaublich, dass sich jemand, der sich am Anfang schwer tut, in etwas über einer Woche derart mit einem echten Schlagzeug vertraut machen kann.
Miyamoto:
Das liegt vermutlich daran, dass die grundlegende Aufstellung der Trommeln dieselbe ist. Außerdem werden im Unterricht Animationen eingesetzt, die genau zeigen, wie man auf dem Schlagzeug zu spielen hat. Da man ja mit seinem Körper lernt, kann man sofort loslegen, wenn ein richtiges Schlagzeug vor einem steht.
Iwata:
In "Wii Music" spielt man im Grunde genommen "Luft-Schlagzeug". Dass man sich dann vor ein echtes Schlagzeug setzen und es auch spielen kann, ist höchst interessant.
Totaka:
Ein echtes Schlagzeug ist ziemlich laut. Am Anfang kann das schier überwältigend sein. Zumindest ging es einigen Mitgliedern unseres Teams so. Allerdings haben sie sich schnell daran gewöhnt und konnten schon bald drauf lostrommeln.
Iwata:
Als Nächstes sprechen wir mal über Miyamoto-sans Reise nach Europa und Amerika gegen Ende Oktober. Worüber haben Sie mit den Leuten dort geredet?


Miyamoto:
Über mein persönliches Interesse an Musik, um nur ein Thema zu erwähnen.
Iwata:
Als Student waren Sie in einer Band und Ihr Hobby ist es seitdem, "Gitarre zu üben", stimmt's? (lacht)
Miyamoto:
Ja, ich übe schon seit über 30 Jahren! (lacht) In der Band fingen wir mit Cover-Versionen an. Wir spielten die Songs von Bands, die uns gefielen, nach Gehör. Wenn man aber andere nur nachahmt, wird es schnell langweilig, und so versuchten wir uns bald an unserer eigenen Musik. Wenn man sich musikalisch ausdrücken kann, fängt der Spaß erst richtig an. Über eben solche Dinge habe ich drüben geredet.
Iwata:
Ich verstehe.
Miyamoto:
Ich habe auch Dinge angesprochen wie zum Beispiel: Nehmen wir mal an, Sie kaufen sich ein Klavier. So ein Instrument ist nicht nur teuer, die Kaufentscheidung ist auch recht kompliziert, aber nehmen wir mal an, Sie haben sich für eines entschieden. Wenn es bei Ihnen zu Hause angeliefert wird, hauen alle als Erstes auf die Tasten. Ein Lied darauf zu spielen ist allerdings reichlich schwer. Und so kommen die Leute dazu, Klavierunterricht zu nehmen.
Iwata:
Sie können Töne spielen, aber kein richtiges Lied.
Miyamoto:
Wenn Sie sich aber "Wii Music" zulegen, können Sie innerhalb von fünf Minuten gemeinsam in einem Ensemble spielen!
Kondo:
Außerdem stehen Ihnen 60 verschiedene Musikinstrumente zur Verfügung und es gibt sogar eine Band, die Sie im Hintergrund begleitet!
Miyamoto:
Deshalb bin ich davon überzeugt, dass "Wii Music" ein unglaublich fortschrittliches Musikinstrument ist - vielleicht sogar das Instrument der Zukunft. In Übersee habe ich allen erzählt, dass es eine neue Art Instrument ist, das leicht zu erlernen ist und das Spaß macht.


Iwata:
Sie waren in Frankreich, England und Amerika. Gab es in den verschiedenen Ländern unterschiedliche Reaktionen?
Miyamoto:
Nicht sonderlich. Mir ist lediglich aufgefallen, dass in den Ländern Unterschiede bezüglich der musikalischen Vorbildung herrschen. In Japan lernen alle früh, in Schulaufführungen die Blockflöte zu spielen und im Chor zu singen. In manchen Ländern gibt es in der Grundschule allerdings nur wenig Musikunterricht.
Iwata:
Was denken die Leute aus solchen Ländern, wenn sie "Wii Music" sehen?
Miyamoto:
Viele Interviewer haben mir positive Fragen gestellt. Wie etwa, ob es eine Möglichkeit gibt, "Wii Music" in Schulen einzusetzen, um in den Kindern das Interesse an Musik zu wecken. Während ich aber durch Europa gereist bin, ist mir etwas anderes aufgefallen, das mich sehr überrascht hat. Es hat sich angefühlt, als ob ich mich selbst verändert hätte.
Iwata:
Sie haben sich... verändert?
Miyamoto:
Ob auf den Flughäfen, in Taxis oder zu Fuß unterwegs, ich habe überall die regionale Musik gehört und konnte die örtlichen Unterschiede in puncto Musik förmlich spüren. Selbst bei Genres, die mich zuvor nie interessiert haben, konnte ich aus irgendeinem Grund die Einzelheiten heraushören. Und wenn ich mal ein Lied gehört habe, das ich kannte, dachte ich mir: "Wie wurde das musikalisch arrangiert?" Ich war schon immer an Musik interessiert, aber die winzigen Details sind mir bislang nie aufgefallen. Das hat mich ganz schön verblüfft. Es ist so, als ob mein Gehör sich verändert hätte.
Iwata:
Sie haben gelernt Dinge zu hören, die Ihnen zuvor nie aufgefallen sind.
Miyamoto:
Etwas später, als ich nach Amerika reiste, bat ich eine Person von NOA (Nintendo of America) für mich während eines Interviews zu dolmetschen. Als ich ihn fragte, was er denn von "Wii Music" halte, sagte er mir, dass sein tragbarer Musik-Player sich verändert hätte.
Iwata:
Wie das?
Miyamoto:
Er sagte, er wäre nun in der Lage, die Einzelheiten zu hören.


Iwata:
Also hat er etwas Ähnliches erfahren, was Ihnen in Europa passiert ist. Wenn Personen allgemein Musik hören, das trifft im Übrigen auch auf mich zu, hören wir nur das ganze Lied oder konzentrieren uns auf die Melodie.
Miyamoto:
Der Dolmetscher und ich hatten fantastische Unterhaltungen darüber.
Iwata:
Ich frage mich ob, wenn man "Wii Music" spielt, man ein Gehör für musikalisches Arrangement entwickelt.
Miyamoto:
Hm... das frage ich mich auch. (lacht)
Kondo:
Ich war überrascht, als Miyamoto-san mir davon erzählt hatte. Ich erinnerte mich, wie ich als Kind Unterricht an einer elektronischen Orgel genommen hatte... Mein Lehrer sagte mir, ich sollte lernen, wie ich die Bässe erkenne, selbst wenn ich Musik in meiner Freizeit hörte. Danach war ich in der Lage, die unterschiedlichen Töne der Musikinstrumente und eine Vielzahl musikalischer Strukturen zu erkennen.
Iwata:
Es ist interessant, dass Miyamoto-san, nachdem er 50 oder mehr Jahre nicht darauf geachtet hat, plötzlich etwas erkennt, das Kondo-san sich selbst schon als Kind zu hören beigebracht hatte.
Totaka:
Ich persönlich habe kein musikalisches Feingefühl entwickelt, bis ich angefangen habe, Musikstücke zu schreiben, aber ich stimme zu: Es ist definitiv etwas, das man im Lauf der Zeit dazu lernt. Gerade deshalb bin ich so beeindruckt, dass diese Transformation in nur wenigen Wochen vonstatten gehen kann.
Miyamoto:
Es ist unglaublich. Wenn ich nochmal auf das zurückkommen darf, was mein Dolmetscher sagte: Der Wert jedes einzelnen Liedes in seinem Musik-Player hat sich vervielfacht. Ich persönlich kann nun ganz leicht den Unterschied zwischen programmierten und klassisch komponierten Liedern erkennen.
Totaka:
Einer unserer Leute sagte, er hätte diese Fähigkeiten erlangt, nachdem er nur ein Video gemacht hatte.


Iwata:
Nach nur einem Video?
Totaka:
Ja. Er ist ein Schlagzeuger, der selten auf etwas anderes außer Schlagzeug in Musikstücken gehört hatte. Nun kann er plötzlich die Rhythmusgitarre und den Bass erkennen.
Iwata:
Es ist unglaublich, dass sich die Art, wie jemand hört, in nur einer Woche oder zehn Tagen ändern kann. Vielleicht liegt es daran, dass die Fähigkeit, Musik zu hören, den Lernprozess verbessert. Das liegt nicht zuletzt daran, dass man verschiedene Instrumente innerhalb eines begrenzten Zeitraums für ein bestimmtes Musikstück ausprobiert.
Miyamoto:
Es ist so, als ob uns Fühler wachsen würden. Professionelle Musiker entwickeln so etwas im Laufe der Zeit, unsere kommen nur manchmal zum Vorschein, aber das alleine ist schon unglaublich.
Iwata:
Wenn sie das lesen, werden viele "Wii Music"-Spieler sagen, ihnen sind auch Fühler gewachsen, wie Miyamoto-san, wetten?
Eindeutig geteilte Meinungen
Iwata:
"Wii Music" ist seit über einem Monat auf dem Markt. Was für ein Gefühl haben Sie dabei, Miyamoto-san?
Miyamoto:
Wir haben "Wii Fit" entwickelt, weil es mir Spaß gemacht hat, mein Gewicht genau zu kontrollieren, aber es war mir noch nie möglich, meine Liebe für Musik, die ich seit meiner Kindheit in mir trage, in ein Spiel zu packen. Mit "Wii Music" hat mir das Team aber diesen Traum erfüllt, und zwar fast exakt so wie ich es mir vorgestellt habe! Bis jetzt habe ich die Spiele, an denen wir gearbeitet haben, kaum gespielt, nachdem sie auf den Markt gebracht wurden.
Iwata:
Weil sie schon über den nächsten Titel nachdenken müssen.
Miyamoto:
Diesmal ist es aber so, dass ich nach Hause eile, um an diesem oder jenem Aspekt eines Liedes zu arbeiten. Wenn ich mal eine Weile nicht zum Spielen komme, kann ich es kaum erwarten, bis ich wieder loslegen kann. Ich kann das Spiel stundenlang spielen. Es ist beängstigend. (lacht) Ich glaube, ein gutes Spiel besteht dann den Test, wenn man es kaum weglegen kann. Was meinen Sie, Iwata-san?
Iwata:
Vom Standpunkt eines Spielers gesehen würde ich sagen, das Spiel ist ein wahrer Zeitfresser! (lacht)
Miyamoto:
Das meinen Sie jetzt hoffentlich positiv? (lacht)
Iwata:
Es ist fast schon beängstigend! Ich setze mich hin und will nur ein bisschen spielen, und plötzlich sind zwei Stunden vergangen! Ich weiß nicht genau, wie es dieser Zeitfresser schafft, mich immer wieder hereinzulegen, aber wenn ich ein Lied spiele, das mir natürlich von der Hand geht und wenn dann das Endergebnis meine Erwartungen sogar ein wenig übersteigt, habe ich das Gefühl, dass ich großzügig belohnt wurde. Das ist das Gefühl, das "Wii Music" in mir weckt, aber es scheint, es wird von den Spielern unterschiedlich empfangen. Es gibt einen eindeutigen Meinungsunterschied zwischen denjenigen, die es lieben, und denen, die es nicht ganz verstehen. Nintendo hat in den letzten Jahren viele Produkte auf den Markt gebracht, die in dieser Form noch nie existiert haben, also haben wir unterschiedliche Meinungen erwartet. Nur nicht in diesem Ausmaß.


Miyamoto:
Da stimme ich Ihnen zu.
Iwata:
Es scheint, die Leute sehen die Werbung im Fernsehen und denken, das Spiel macht sicher Spaß, wenn man es in einer Gruppe spielt. Da sie aber nicht so viele Leute zusammenbekommen, lassen sie die Finger davon. Dabei kann man in das Spiel sogar viel besser eintauchen, wenn man es alleine spielt.
Miyamoto:
Das stimmt. Sobald man es selbst ausprobiert hat, macht das Spielen in der Gruppe viel mehr Spaß.
Kondo:
Ich kenne jemanden, der die Werbung gesehen hat, und gemeint hat, es sieht nicht aus, als ob man dabei Spaß haben könnte.
Iwata:
Wen denn?
Kondo:
Meinen Sohn.
Alle:
(lachen)
Iwata:
Das verletzt sicherlich Ihre Gefühle. (lacht)
Totaka:
Sein eigener Vater hat schließlich das Spiel gemacht! (lacht)
Iwata:
In welche Klasse geht Ihr Sohn?
Kondo:
Er ist im zweiten Jahr der Hauptschule. Er hat kein Wort darüber verloren, dass er es wollte, aber ich habe es trotzdem gekauft. Als ich ihm vorgeschlagen habe, dass er es mal versucht, hat er einfach wiederholt auf den A-Knopf gedrückt, um den gesamten Einführungstext von Sebastian Tutori zu überspringen!


Iwata:
Wir können nichts tun, wenn jemand einfach nur den A-Knopf drückt, obwohl Tutori doch alles schön erklärt! (lacht)
Totaka:
Da haben Sie wohl recht. (lacht)
Kondo:
Mein Sohn spielt schon seit Jahren eine elektrische Orgel, also kann er auch Noten lesen. Als er angefangen hat, das Spiel zu spielen, hat er gleich die Partitur eingeblendet. Dann hat er ein Lied durchgespielt und mit einem Seufzer gesagt: "Das ist doch einfach." Das war's dann für ihn.
Totaka:
Das ist schade. Es macht mehr Spaß, wenn man die Partitur ausblendet.
Kondo:
Ich weiß! (lacht)
Miyamoto:
Unter denjenigen, die "Wii Music" nicht so sehr schätzen, gibt es eine Gruppe von Leuten, die, wie Kondo-sans Sohn, Musik kennen, das Spiel auf klassische Weise spielen und sagen, es sei nicht unterhaltsam, weil es zu einfach sei. Dann wiederum gibt es eine andere Gruppe von Leuten, denen bewusst ist, dass sie es auf jede beliebige Art spielen können und sagen, sie seien nicht daran interessiert.
Iwata:
Es gibt aber auch eine andere Gruppe von Personen, die sich genug mit Musik auskennen, die aber unangenehme Gefühle empfinden, wenn sie eine Note hören, die sie nicht erwarten.
Miyamoto:
Als Gitarrespieler fühle ich manchmal genauso, aber ich glaube, man kann enorm davon profitieren, wenn man sich davon löst.
Iwata:
Das glaube ich auch. In manchen Momenten will ich etwas Bestimmtes spielen, aber es kommt etwas anderes dabei heraus... Aber es macht so viel Spaß, im Verhältnis zu der Zeit, die ich darin investiere, so dass ich einfach nie genug davon bekomme.
Miyamoto:
Deshalb glaube ich: Wenn man es eine Weile lang spielt, findet man heraus, dass die Möglichkeiten unbegrenzt sind.
Iwata:
Die Möglichkeiten sind endlos, aber wir sollten den Spielern mehr Beispiele für eben diese Möglichkeiten aufzeigen. Ich fürchte, in dieser Hinsicht haben wir keine gute Arbeit geleistet. Seit so langer Zeit werden Spiele entwickelt, die man auf die "richtige" Art und Weise spielt. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass Spieler alles versuchen, um das richtige Ziel zu erreichen. Wir können sagen: "Sie können tun, was Sie wollen, und sich von Ihrer Kreativität leiten lassen.", aber es gibt jede Menge Personen da draußen, die nicht wissen, was sie in diesem Spiel tun sollen.


Miyamoto:
"Wii Music" ist eine Art Werkzeug, das man auf eine gewisse Weise einsetzt, um etwas zu schaffen. Selbst Personen, die noch nie ein Musikinstrument gespielt haben, können durch simples Herumprobieren damit den großen Wunsch verspüren, etwas mit den virtuellen Instrumenten zu schaffen.
Iwata:
Ich glaube daher, dass es eine gute Idee ist, mehr Beispiele aufzuzeigen, was man mit diesem Werkzeug alles herstellen kann. Wir haben den kompletten Unterhaltungswert des Spiels noch nicht ganz vermittelt.
Miyamoto:
Hm, da könnten Sie recht haben. Vielleicht können wir das Interesse von Kondo-sans Sohn zurückgewinnen.
Iwata:
Ich habe auch das Gefühl, dass Spieler, die das Spiel genießen, sich schwer damit tun richtig zu erklären, was ihnen daran gefallen hat.
Miyamoto:
Stimmt. Wenn ich doch nur die richtigen Worte fände! Das ist wohl auch der Grund, warum ich wohl keinen guten Prediger abgeben würde. (lacht)
Kondo:
Vielen Leuten ergeht es wohl wie meinem Sohn: Sie denken vielleicht, das Spiel sei nichts für sie und die beste Art es zu spielen, ist der Partitur zu folgen.
Miyamoto:
Man kann die voreingestellten Noten jederzeit sehen, aber es ist nicht besonders lohnend, wenn man sie einfach nur kopiert. Es macht viel mehr Spaß, sich von diesen Vorlagen zu entfernen.
Iwata:
Hat jemand mal versucht ein Video zu drehen, bei dem soweit vom Original entfernt gespielt wird, wie es nur möglich ist?
Kondo:
Hat jemand?
Totaka:
Ja, (Takashi) Tezuka-san, jede Wette.
Iwata:
Jemand, der uns so nah steht! Ich würde gerne erfahren, was dabei herausgekommen ist. Nutzen wir seine Abwesenheit als Gelegenheit, darüber zu reden! (lacht)
Die Geheimnisse großartiger Musikvideos
Miyamoto:
Tezuka-san war der Producer von "Wii Music", aber hat auch die gesamte Zeit als Tester gedient.
Iwata:
Neben den professionellen Musikern, die daran beteiligt waren, hat auch ein absoluter Anfänger daran gearbeitet! (lacht) Er ist allerdings ein Profi, wenn es darum geht, Videospiele zu entwickeln.
Miyamoto:
Tezuka-san hat die Entwicklung geleitet und hat am Ende ein Video gemacht.
Iwata:
Wie war es?
Totaka:
Es war... Nun, sagen wir mal sehr, sehr geschmackvoll.
Alle:
(lachen)
Totaka:
Er wählte den Song "Super Mario Bros.", aber so wie er es spielte, war es mehr "Gelegentlich Super Mario Bros.". Er hat den Großteil des Songs in Stücke unterteilt.


Iwata:
In Stücke? (lacht)
Totaka:
Wirklich! Man konnte den ursprünglichen Song kaum heraushören! (lacht) Nur gelegentlich konnte man ein Fragment des Mario-Songs erkennen. Als ich seine Darbietung hörte, war ich beeindruckt. Ich glaube nicht, dass ich in der Lage wäre, so etwas zu tun.
Kondo:
Tezuka-san mag Musik wirklich sehr. Als Fan kennt er alle möglichen Lieder. Wie kann ich's am besten ausdrücken, er hat seinen eigenen einzigartigen Sinn für Rhythmus.
Iwata:
(lacht)
Miyamoto:
Einer meiner Bekannten ist ein hoffnungsloser Fall, wenn es um Musik geht. Als er ein Video gemacht und es einigen seiner Freunde gezeigt hat, waren sie überrascht, dass jemand einen Song dermaßen vermasseln kann. Aber es schien ihm zu gefallen, das zu hören. (lacht) Als ich das Tezuka-san erzählte, war er sehr glücklich und sagte, sein Video sei genauso schlecht gewesen. (lacht)
Alle:
(lachen)
Miyamoto:
Man kann nicht oft von unterhaltsamer Musik sprechen, die man für vermasselt hält oder gar schrecklich findet, und bei der man dennoch Spaß hat, darüber zu reden. Nun, vielleicht ist das bei Avantgarde-Musik der Fall.
Totaka:
Avantgarde-Musik, stimmt. Es wäre ein Leichtes, mit "Wii Music" eine Avantgarde-Version von "Morgen kommt der Weihnachtsmann" zu spielen - also mit viel Krach - und dabei doch etwas vom Original beizubehalten. Wenn man das aber live versuchen oder sich an den Noten im Spiel orientieren würde, wäre es ganz schön schwer.
Miyamoto:
Die Musikvideos sind wie Comics. Ich habe schon in der Schule Vier-Bilder-Mangas gezeichnet. Es gibt keine Einschränkungen. Man kann alles zeichnen, was man will, solange man sich an die einfache Bild-zu-Bild-Struktur hält. Wenn man sich an den Zeitraum von ungefähr anderthalb Minuten hält, kann man genauso im Spiel vorgehen. Deshalb steckt es voller Kreativität. (Vier-Bilder-Mangas (4koma Manga) werden in Japan von Anfängern gerne gezeichnet, weil man dabei die grundlegende Struktur der Geschichtenerzählung erlernt. Die Geschichte muss in vier Bilderfeldern erzählt werden, wobei die wichtigsten Ereignisse der Geschichte in jedem Feld geschildert werden. Die Einleitung der Geschichte wird im ersten Feld gezeichnet, gefolgt von der Aktion und dem Höhepunkt. Im letzten Bild wird das Ende der Geschichte erzählt.)


Totaka:
Ich möchte, dass die Spieler ihre eigenen Interpretationen genießen und mit verschieden Stilrichtungen experimentieren.
Miyamoto:
Als ich jung war, gab es einen Musiker, der eine Rockversion von Beethovens Fünfter Sinfonie gemacht hat. Man kann so etwas ganz leicht in "Wii Music" machen. Man kann alle Songs darin auch rockig interpretieren.
Iwata:
Viele Leute tun das bereits.
Totaka:
Auf einer Video-Website habe ich mal ein Duett von einem Sänger und einem Gitarristen gesehen, die "Troika" dargeboten haben. Die Charaktere waren berühmte Anime-Charaktere und die Bühne war "Galaktische Reise". Ich war sprachlos! (lacht)
Iwata:
Übrigens, ich habe gehört, nachdem die Entwicklung abgeschlossen wurde, haben alle Mitglieder des Teams eine DVD mit ihren eigenen Musikvideos gemacht.
Totaka:
Oh, ja. Das ist vielleicht ein Ding. Ich könnte es mir immer wieder anschauen. (lacht)
Miyamoto:
Die Musikvideos, die Sie da gemacht haben, klingen perfekt. Wie haben Sie das geschafft?
Totaka:
Das Timing war unübertroffen.
Iwata:
Wenn man das Timing nicht hinbekommt, klingt der Rest nicht mehr so sauber.
Totaka:
Richtig.
Miyamoto:
Wie schafft man es, so etwas zu machen?
Totaka:
Indem man viel "Rhythm Heaven" spielt. (Im Dezember 2008 wurde das Nintendo DS-Spiel "Rhythm Heaven" ausschließlich in Japan veröffentlicht.)


Alle:
(lachen)
Miyamoto:
Okay, nehmen wir mal an, ich habe "Rhythm Heaven" durchgespielt, womit sollte ich in "Wii Music" anfangen, Totaka-sensei? (lacht) (Sensei bedeutet im Japanischen so viel wie 'Lehrer'.)
Totaka:
(lacht) Taiko-Trommeln. Fangen Sie immer mit Perkussionsinstrumenten an.
Iwata:
Ich verstehe. Man sollte als Grundlage zunächst einen Beat schaffen, um die Musik zu strukturieren.
Totaka:
Genau. Als Nächstes kommen die Bässe. Soll ich alles in Reihenfolge erwähnen?
Iwata:
Ja, bitte. Verraten Sie uns Totaka-senseis Geheimnisse für großartige Musikvideos. (lacht)
Miyamoto:
Der Präsident und der Senior Managing Director lauschen gebannt Ihrem Vortrag. (lacht)
Totaka:
Also, die Reihenfolge lautet: Zuerst zwei Perkussionsgrundlagen, dann Bass, Akkord, Harmonie und schließlich Melodie.
Miyamoto:
Also genauso wie im Unterricht.
Totaka:
Ja, genau. Wenn man sich kurz fassen möchte! (lacht)


Miyamoto:
Haben Sie die Hauptmelodie herausgenommen? Wenn man die Melodie drin lässt, kann man das Stück schwer arrangieren, weil man sich zu sehr darauf konzentriert, stimmt's?
Totaka:
In der Regel lässt man sie als eine Art Anleitung für den Song spielen. Wenn man aber große Änderungen an dem Stück vornehmen möchte - beispielsweise ein langsames Stück peppiger machen - kann die Melodie ablenken.
Miyamoto:
Also überprüfen Sie nicht, ob Sie mit der Melodie im Einklang sind?
Totaka:
Nein, ich schalte sie ganz aus.
Miyamoto:
Das nenne ich einen Profi!
Totaka:
Manchmal wende ich einen kleinen Trick an. Ich verlangsame beispielsweise das Tempo, wenn ich zu Beginn des Einspielens des Stücks Schlagzeug spiele. Am Ende kehre ich zum normalen Tempo zurück. Wenn man die schwierigen Momente langsam spielt...
Iwata:
Ah, das wäre mir nie in den Sinn gekommen! (lacht)
Totaka:
Wenn Sie das hier sehen, verstehen Sie es noch besser. Wenn man es auf diese Weise macht, unterlaufen einem nicht so viele Fehler, der Rhythmus ist punktgenau und alle Töne kommen klar und deutlich heraus.
Miyamoto:
Ich verstehe. Es scheint, wir haben noch viel zu bereden. (lacht)
Iwata:
Totaka-san, können Sie uns Ihre Analyse zu den Teamvideos geben, die wir uns vorhin angesehen haben? Sie wäre ein gutes Beispiel, um Spielern die umfangreichen Möglichkeiten von "Wii Music" aufzuzeigen.
Totaka:
Ähm... natürlich. Ich glaube, das kann ich machen. Fangen wir am besten mit Tezuka-sans Video an. (lacht)
Miyamoto:
Okay, Totaka-sensei, dann legen Sie mal los! (lacht)
Bonus: Kazumi Totaka spricht über Musik-Clips
Totaka:
Ich möchte Ihnen nun das erste Musikvideo vorstellen. Es handelt sich dabei um das Video, von dem wir zuvor gesprochen haben. Der Producer von "Wii Music", Tezuka-san, hat es aufgezeichnet.
Takashi Tezuka
General Manager, Entertainment Analysis and
Development (EAD) Department
General Manager, Entertainment Analysis and
Development (EAD) Department
Totaka:
Das ist Tezuka-san bei der Darbietung von "Gelegentlich Super Mario Bros." (lacht) Ich bezweifle sehr, dass jemand das Stück als "Super Mario Bros." erkennen würde. Man könnte sogar sagen, er greift bei seiner Interpretation selten, also nicht mal gelegentlich, auf das Mario-Lied zurück. Kurzum: Es ist ein seltsames Video. Das Verblüffende daran ist, dass er absichtlich so spielt. Es ist unglaublich, wie er die Melodie in mehrere Stücke bricht, ohne dabei vollständig den Überblick auf den grundlegenden Rhythmus des Originals zu verlieren. Als Nächstes sehen wir Miyamoto-sans Video an. Es ist ein wenig funkiger und rockiger.
Shigeru Miyamoto
Senior Managing Director / General Manager,
EAD Division
Senior Managing Director / General Manager,
EAD Division
Totaka:
Anstatt die ganze Zeit auf die Trommeln zu schlagen, kann man den B-Knopf an unerwarteten Stellen drücken, um den Zuhörer zu überraschen, wie wir in diesem Video-Clip sehen und hören können. Während des Gitarrensolos kann man durch Weglassen des Basses diese Komponente betonen und den Song energischer darbieten. Als Nächstes sehen wir das Video meines direkten Vorgesetzten, Kondo-san.
Koji Kondo
Software Development Department, EAD
Software Development Department, EAD
Totaka:
Der Anfang ist gemächlich, das Tempo entspannt, wobei nur das Shamisen und das Banjo zum Einsatz kommen. Dann vereinen sich der Beat und die Trillerpfeife. Der lebendige okinawanische Vibe ist einzigartig. Die Trillerpfeife spielt er mit dem A-Knopf. Beim Spielen des Shamisen verwendet er eine schnelle Zupftechnik, wenn er die delikaten Töne hervorlocken möchte. Es ist ein detailliert dargebotenes Stück. Kein Wunder, dass er mein Chef ist! (lacht) Als Nächstes kommt Co-Producer Eguchi-san. Dieses Video haben wir zusammen in einem Rutsch aufgenommen.
Katsuya Eguchi
Software Development Department, EAD
Software Development Department, EAD
Totaka:
Das ist das "Wii Music"-Thema. Der Klang der Trompete passt perfekt zum Song. Eguchi-sans Darbietung kann man ansehen, dass er sich prächtig amüsiert! Das Totaka-Mii an den Trommeln wendet einige spezielle Techniken an. Ich halte den B-Knopf auf der Wii-Fernbedienung gedrückt, um der Snare Drum, der Trommel in der Mitte und direkt vor dem Mii, einen weichen Ton zu entlocken. Als Nächstes kommt mein eigenes Video. Darauf zu sehen ist der Song "September".
Kazumi Totaka
Software Development Department, EAD
Software Development Department, EAD
Totaka:
Um die Rhythmusgitarre einzubringen, habe ich das Tempo gedrosselt und sie im Voraus aufgenommen. Ich weiß, das ist mein ganz spezieller Trick! (lacht) Auf dem halben Weg lasse ich kurz den Bass weg, um Kontrast einzubringen. Der plötzliche Klangabfall schafft ein Gefühl, das nur mit dem Schweben im Weltraum verglichen werden kann. Sobald man einen Song richtig gut kennt, kann man darüber nachdenken, weniger zu spielen, um mehr Abwechslung zu bieten. Versuchen Sie es auch mal! Als Nächstes kommt Subdirector Wada-san, der auf Musik mit irischem Touch steht. Achten Sie besonders auf das ausgeprägte Design der Jacke!
Makoto Wada
Software Development Department, EAD
Software Development Department, EAD
Totaka:
Zusammengefasst kann man hier von einer Fusion aus Irland und Weltraum sprechen! (lacht) Wada-san nahm das Stück "Turkey in the Straw" und gab ihm seine persönliche Note. Bei irischer Musik behält man den Rhythmus, indem man mit dem Fuß auf den Boden stampft. Oftmals kommt dabei auch ein Akkordeon zum Einsatz, wie dieses Video veranschaulicht. Er hat zudem die Blockflöte durch eine irische Trillerpfeife ersetzt. Doch das ist nicht alles: Er unterstreicht die irische Atmosphäre durch wiederholte Triolen. Wenn man all das auf die Bühne bringt, hat man ein ausgereiftes Stück von erhabener Grandeur. Als Nächstes sehen wir ein ziemlich fortschrittliches Video von Subdirector Hikino-san.
Mitsuhiro Hikino
Software Development Department, EAD
Software Development Department, EAD
Totaka:
Das Stück heißt "Aus der neuen Welt", aber der Rhythmus wurde verändert. "Aus der neuen Welt" wurde ursprünglich im Vierteltakt komponiert, in diesem Video wird es jedoch im Fünfteltakt dargeboten. Ich habe schon mal Stücke im Dritteltakt in Doppeltakt und umgekehrt verwandelt. Diese Variante ist mir jedoch noch nie in den Sinn gekommen. Das war sicherlich nicht einfach. Ich frage mich, ob er nicht insgeheim mit einem grundlegenden 5/4-Takt angefangen hat, indem er die Kuhglocke während jeder Drehung der Be-Bobbys unten rechts auf dem Bildschirm fünf Mal geschlagen hat. (lacht) Der Rhythmus ist ziemlich ansteckend. Das Stück kommt etwas jazzig herüber. Das ist richtig anständige Arbeit. So etwas würde ich nie schaffen! (lacht) Als Nächstes werfen wir einen Blick auf Subdirector Morii-san, der zu Beginn überhaupt kein musikalisches Gespür hatte.
Junji Morii
Software Development Department, EAD
Software Development Department, EAD
Totaka:
Konnten Sie heraushören, dass es sich um "Bruder Jakob" handelt? Der Bass wird komplett anders interpretiert und die unerwarteten Beat-Anpassungen sind auffallend! (lacht) Es ist ein perfektes Beispiel für eine Darbietung, die eine Person hinbekommt, die keinen musikalischen Hintergrund besitzt. Wenn man so etwas live spielen würde, wäre es unglaublich schwer, aber mit "Wii Music" fällt es einem sehr leicht! Zu guter Letzt möchte ich zwei Musikvideos vorstellen, die von weiblichen Mitgliedern des Teams aufgenommen wurden. Die erste ist Designerin Iwasawa-san. Achten Sie ganz besonders darauf, wie sie die Pausen einsetzt.
Michiko Iwasawa
Software Development Department, EAD
Software Development Department, EAD
Totaka:
Dieses Video steckt voller Highlights. Eines davon ist, dass alle plötzlich aufhören zu spielen. Diese Pausen haben einen hervorragenden Effekt. Der Song kommt so zu einem soliden Finish. Die ursprüngliche Melodie wird revolutioniert, das Ergebnis ist fast schon ein eigenes Stück. Diese Technik hat unsere gute Kollegin auf zahlreichen ihrer Video perfektioniert! Als Nächstes kommt Hirono-san, eine weitere Designerin. Bei "Wii Music" arbeitete sie unter anderem an der Nutzeroberfläche und den Modellen. Der Song stammt aus "Animal Crossing: Wild World". Sehen Sie sich mal die Miis an!
Akiko Hirono
Software Development Department, EAD
Software Development Department, EAD
Totaka:
Wie es sich für Animal Crossing gehört, sehen manche Miis wie Katzen und Hunde aus. Die Bühne unterstreicht das Thema das Spiels. Für den Rhythmus wurde ein DJ verpflichtet - ein ungewöhnlich erfrischendes Element. Das Stück kulminiert mit einem Regenbogen! Wenn sich auf der Bühne "Alpenjam" alle gleichzeitig drehen, schießt ein Regenbogen über den Himmel! Jede Bühne hat ihre eigenen Effekte. Sie sollten sie alle ausprobieren! Vielen Dank, dass Sie sich alle Videos mit uns angesehen haben. Ich will ehrlich sein, das Team hat so viele Videos gemacht, dass wir sie niemals alle zeigen könnten! Sehen Sie sich ruhig auch die anderen Videos an. Ich hoffe, Sie dienen Ihnen als Ideengeber für Ihre eigenen Darbietungen! Nochmals, vielen Dank!







